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Drohnenbild während des Baus des Windpark Bad Berleburg - Baustellenfotografie

Lesezeit: 8 Minuten · Projektbegleitung · Baustellenfotografie

32 Windenergieanlagen. Und plötzlich wird aus einer Zahl ein Bild.

Eine E-Mail

Manche Projekte kündigen sich nicht mit großem Tamtam an. Sie kommen ganz leise daher. Eine E-Mail. Ein Telefonat. Und plötzlich ahnt man, dass daraus etwas Größeres entstehen könnte.
Die Anfrage kam von ENGIE Deutschland. Schon nach den ersten Minuten im Gespräch mit Alexa Schröder aus der Unternehmenskommunikation war mir klar: Das wird kein gewöhnlicher Auftrag.

So begann für mich die fotografische und filmische Begleitung eines Windparks mit 32 Windenergieanlagen im Rothaargebirge.

Windparks habe ich zwar schon fotografiert. Aber 32 Anlagen? Das ist selbst für mich eine echte Nummer. Das Projekt klingt direkt vielversprechend, zumal ich persönlich die Transformation in Richtung Windkraft für richtig und wichtig halte.

Ich öffne Google Maps:
Rund 100 km entfernt. Fast zwei Stunden Fahrt. Eine kleine Gurkerei zunächst durch den schönen Westerwald, dann hinein ins mir unbekannte Rothaargebirge.

 

Kopfkino

Als ich das Angebot schrieb, war die Vorfreude längst da.

Und als die Zusage kam, sprang sofort mein Kopfkino an:
Riesige Kräne. Schwertransporte. Menschen in Warnkleidung. Rotorblätter, die über Baumwipfel hinausragen wie die Finne eines Wals.

So stehe ich vor meinem großen weißen Regal mit meiner Ausrüstung: Was werde ich alles brauchen?
Wie dokumentiert man ein Projekt, das sich über viele Monate erstreckt und sich dabei ständig verändert?
Wie werde ich die Datenmengen verarbeiten und speichern bis zum Filmschnitt zum Projektende in einem Jahr?

Ein ganzes Jahr werde ich dieses Bauprojekt begleiten und ich möchte ihm von Anfang an gerecht werden.

 

Morgenrot

Schon auf der Fahrt färbt sich der Himmel tiefrot. „Morgenrot, Schlechtwetter droht“, geht es mir durch den Kopf. Ein alter Wettermerksatz. Tatsächlich ziehen wenig später dichte Wolken auf. Für Landschaftsfotografie wäre das vielleicht ärgerlich gewesen. Für meinen ersten Tag im Windpark spielte das aber kaum eine Rolle.

Sonnenaufgang im Westerwald

Ich lerne zunächst alle beteiligten verantwortlichen Personen vor Ort kennen. Auf großen Landkarten, die an den Wänden hängen, werden mir die einzelnen Baugebiete der Anlagen gezeigt. Es folgt eine Sicherheitsunterweisung.
Erste Bilder mache ich direkt im Büro, die Pläne im Hintergrund.

Endlich geht’s mit den beiden Senior Site-Managern Benjamin und Burkhard auf eine erste Rundtour:

Site Manager stehen vor der Landkarte an der Wand und eine Person zeigt auf den Windpark

Projektsteckbrief

32

Windenergieanlagen

500.000 MWh

Jährliche Erzeugung

2027

Gesamte Fertigstellung

212 MW

Geplante Gesamtleistung

Allrad

Mit dem geländegängigen Allrad holpern wir über Forstwege von Bauabschnitt zu Bauabschnitt. Hinter jeder Kuppe wartete eine andere Szene.
Hier standen bereits die ersten Türme. Dort liegt ein Generator zur Montage parat

Ein paar Kilometer weiter warteten Rotorblätter auf ihren Einsatz.

Und wieder woanders waren die Bagger noch dabei, die Wege für die Schwertransporte vorzubereiten. Im nördlichsten und höchst gelegenen Gebiet stehen Mulcharbeiten an.

Erst in diesem Moment wurde aus der Zahl „32 Windenergieanlagen“ ein echtes Bild in meinem Kopf. Und es sollte noch einige Besuche andauern, bis ich die verwirrenden Zuwegungen zu den verschiedenen Baugebieten im Kopf sortieren konnte…

Zwei Site Manager sehen sich die Rotorblätter an, die für die Montage vor Ort an der WEA bereit liegen.

Borkenkäfer

Als Naturliebhaberin schaue ich mir die Landschaft an. Die Hügel erinnern mich an den heimatlichen Westerwald: Dieselben vom Borkenkäfer gezeichneten kahlen Hänge mit Baumstümpfen der abgestorbenen Fichten. Vor allem ganz oben an den trockensten Stellen.

„Ja, genau das ist einer der Vorteile hier in diesem Gebiet“, sagt Alexa Schörder, Leiterin Unternehmenskommunikation, neben mir sitzend, „wir müssen keine großen Flächen Wald zerstören, die Bäume müssen sowieso weg. Das sorgt auch für eine bessere Akzeptanz in der Bevölkerung.“ Während ich aus dem Autofenster schaue, erzählt sie weiter, dass an geeigneten Stellen neue Waldflächen entstehen und bestehende Bestände mit heimischen Baumarten gezielt aufgewertet werden. So werden hier langfristig deutlich widerstandsfähigere Mischwälder wachsen.

Vor meinem inneren Auge verschwindet der kahle Hang. Junge Bäume tauchen auf, deren Blätter sanft im Wind schaukeln.

Baufotografie: Kalamitätsflächen durch Borkenkäferbefall an den Hängen des Rothaargebirges und den Flächen des Windparks Bad Berleburg.
Baufotografie: Ein Site Manager läuft an einem Stahlturmsegement einer Windenergieanlage entlang.
Baustellenfotografie: Site-Manager kontrolliert das Stahlturmsegments für eine Windenergieanlage

30 Meter

Am zweiten Tag scheint die Sonne. Burkhard fährt mit mir zum Turmumladeplatz. Hier stehen also die Bauteile bereit für die letzten Kilometer in den Windpark. Betonhalbschalen in Reih und Glied – hübsch grafisch sieht das aus der Sicht der Drohne aus!
Einige rund 30 Meter lange Stahlturmsegmente liegen hier ebenfalls bereit. Burkhard läuft auf meine Bitte hin daran entlang. Ich gehe auf die Knie für eine tiefe Kameraposition. Denn das muss unbedingt im Foto rüberkommen: Wie klein selbst ein erwachsener Mann vor so einem Turmsegment wirkt.

Am Eingang des Windparkgebiets Hermeskopf werde ich überrascht: Ein Rotorblatt reckt sich über eine Weide hinweg dem blauen Himmel entgegen. Erst als ich den Weg ein Stück hinaufging, wurde mir bewusst, welche unglaublichen Dimensionen diese Bauteile haben.

 

Der Bauer

Während ich nah am Weidezaun fotografierte, bemerke ich, wie sich jemand von der Weide her nähert. Zunächst bin ich verunsichert, ob der Weidenbesitzer sich bei mir beschweren möchte, dass ich hier so ungefragt Bilder schieße. Doch er fragt mich, ob er die Bilder später bekommen könne? Innerlich lächle ich erleichtert. Aber ich musste ihn zunächst enttäuschen. Alle Aufnahmen durchlaufen einen Freigabeprozess. Doch ich versprach ihm, den Kontakt herzustellen. Ich konnte ihn gut verstehen. Schließlich hat wohl kaum jemand jeden Tag ein Rotorblatt über seiner Weide stehen.

Dieses Monstrum wird jetzt noch nicht weiterfahren – aber der Großtransport daneben wird gleich zur Weiterreise ansetzen:

Ein Selbstfahrerfahrzeug steht beladen mit einem Rotorblatt, das über eine Weide ragt, bereit für die Auffahrt in den Windpark. Baufotografie.
Baustellenfotografie<br />
: Ein Rotoblatt ragt über eine Weide und steht per Selbstfahrer bereit zur Auffahrt in den Windpark.

Elefantenherde

Ein leistungsstarker LKW beladen mit einem weißen Betonring. Doch das ist kein gewöhnlicher Betonring. Ein 5 Meter breites Riesenteil, schwer wie eine Herde von 20 bis 23 Elefanten!

Es ist ein Hybridturm-Adapterteil. Dieses Teil wird das Bindeglied zwischen unteren Teil eines Turms aus Betonsegmenten und dem weiteren Aufbau aus Stahlelementen. Wohl um die 100 Tonnen schwer. Eine weitere Zugmaschine wird vorne per Stange angekoppelt und wird Zughilfe leisten bei der Bergauffahrt.

Wir erfahren, er wird gleich losfahren.

Deshalb fährt Burkhard mit mir schon ein Stückchen den Waldweg hoch, ich platziere mich am Wegesrand und kann von erhöhter Position perfekt das laute Zuggespann aufnehmen.
Burkhard gabelt mich wieder auf und wir verfolgen den blinkenden Schwertransport.

Fasziniert fotografiere ich weiter durch die Frontscheibe. Solche Transporte erlebt man schließlich nicht alle Tage.

Baustellenfotografie Windenergie: Hybridturm-Adabterteil: Transport zum Windpark
Baufotografie: Transport eines Betonrings für den Turmbau im Windpark. Luftbild
Baufotografie: Besprechung auf der Fläche zum Bau einer Windenergieanlage im Windpark Bad Berleburg

Beste Aussicht

Unser nächster Halt führt uns ins Baugebiet Kilbe, erneut geht es bergauf. Hier sind auch schon Fundamente fertiggestellt. Ich lasse die Drohne fliegen. Die aus den Fundamenten herausragenden Ankerbolzen werfen lange Schatten, die meine Bilder grafisch interessant wirken lassen.

Am Ende fahren wir zum nördlichsten Gebiet. An der geplanten WEA 4 im Baugebiet Homburg stehen wir auf einer großen Freifläche. Hier ist bereits gemulcht worden, die Erdarbeiten zur Befestigung des Platzes können bald beginnen.

Mittlerweile steht die Sonne tief am Himmel und taucht die Landschaft goldgelb ein.
Ich entschließe mich, ein Referenzbild zu machen für eine Vorher-Nachher-Darstellung.
Jetzt liegt dieser Platz noch ruhig vor mir. Eine große Fläche, viel Himmel und im Hintergrund die sanften Hügel des Rothaargebirges. Bei einem der nächsten Besuche werden hier Bagger arbeiten, Kräne in den Himmel wachsen und Montageteams zwischen tonnenschweren Bauteilen unterwegs sein.

Ich drücke auf den Auslöser. Eines Tages wird genau dieses Bild zeigen, wie alles begonnen hat.

Baufotografie: Referenzbild für vorher-nachher-Ansicht: Fläche zum Bau einer Windenergieanlage

 

Neugierig geworden?

Dieser Beitrag ist der erste Teil meiner fotografischen und filmischen Begleitung des Windparks Bad Berleburg. In den kommenden Monaten werde ich den Baufortschritt mit weiteren Reportagen begleiten – immer aus meiner persönlichen Perspektive hinter der Kamera.

Wer mehr über das Projekt, den Baufortschritt und die Hintergründe erfahren möchte, findet auf der Projektwebsite von ENGIE Deutschland viele weiterführende Informationen.

→ Zur Projektwebsite Windpark Bad Berleburg

Über die Autorin

Über die Autorin

Britta Hilpert

Ich begleite den Bau des Windparks Bad Berleburg fotografisch und dokumentiere Monat für Monat, wie aus einer Baustelle Schritt für Schritt ein Windpark entsteht. In dieser Blogserie nehme ich euch mit hinter die Kulissen – zwischen Baumaschinen, Menschen und vielen spannenden Geschichten.

Falls Sie Interesse an ähnlichen visuellen Erzählungen für Ihr Unternehmen haben, stehe ich gerne zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie hier: